Geschichte

Am 1. Oktober 2003 wurde die Bleckeder Zeitung 125 Jahre alt, das ist nicht gewöhnlich und verdient einen Rückblick auf 12 1/2 Jahrzehnte, in denen sich unsere „BZ“ zu dem entwickelte, was sie heute ist: Eine Heimatzeitung, die zweimal wöchentlich erscheint und sich noch immer im Familienbesitz befindet. Allerdings wird nicht mehr, wie viele Jahre, mit Bleisatz gearbeitet, sondern mit modernsten Computern, Übertragungs- und Herstellungsverfahren, sonst wäre es praktisch nicht durchführbar und von zeitgemäßer Qualität.

Als die Bleckeder Zeitung vor 130 Jahren unter ihrem „Mädchennamen“ Neuhauser Wochenblatt gegründet wurde, stand das heutige Verlagsgebäude in der Friedrich-Kücken-Straße schon 50 Jahre und konnte bereits seine eigene Geschichte erzählen. Damals dachte noch keiner daran, dass hier einmal eine Druckerei betrieben werden würde.

Wie wissen aus alten Aufzeichnungen, dass der Förster Sievers aus Sandhorst 1809 das Haus des in Konkurs geratenen Schlossers Herm für 1255 Taler mit allem Zubehör gekauft hat. Damals hieß die Friedrich-Kücken-Straße noch Kleine Straße. Förster Sievers überließ noch im selben Jahr das Anwesen dem Apotheker Busch für die selbe Kaufsumme. Apotheker Busch allerdings wollte nur die zur Bürgerstelle gehörenden Ländereien und Rechte, veräußerte 1818 das Wohnhaus mit Hofplatz und Brunnen für 900 Taler an den Bleckeder Kirchenvorstand. Für sich behielt er die Gemeinheitsrechte: Weide-, Moor- und Holzanteile sowie die hinter dem Haus liegende Scheune.

Mit diesem Kauf erhielt die Gemeinde für den zweiten Lehrer eine Wohnung und einen Schulraum, aber das Haus lag eingeengt zwischen den Gebäuden von Brauer Pommerien und dem Juden Hertz, so dass kein ausreichender Spielplatz für die Kinder zur Verfügung stand. Anfang 1870 war die Schülerzahl so angestiegen, dass eine vierte Klasse notwendig wurde. Folglich kam es zum Verkauf der Schule in der Kleinen Straße und die Schulgemeinde erwarb dafür in Wendisch Bleckede 1878 das Haus von Sanitätsrat Dr. Wicke mit dem großen Garten. (Hier steht heute das Gebäude des Sparkasse.) In diesem Jahr gründete der 42-jährige Carl Grosse mit seinem Sohn Robert in Neuhaus das „Neuhauser Wochenblatt“, das dienstags, donnerstags und sonnabends erschien.

1885 wurden Bleckede und Neuhaus vom preußischen Staat zum Kreis Bleckede zusammengelegt; der erste Landrat, der zum April 1885 in das Bleckeder Schloss einzog, war August von Harling aus Lüchow. Insgesamt 99 Gemeinden zählte sein Amtsbereich einschließlich Bleckede und 21 Gutsbezirke.

Das hat Carl Grosse und Sohn bewogen – als Bleckede in jeder Hinsicht Mittelpunkt dieser Region wurde – auch den Sitz der Zeitung von Neuhaus nach Bleckede zu verlegen, die ohne Unterbrechung weiter erschien, allerdings mit neuem Kopf „Bleckeder Zeitung und Neuhauser Wochenblatt – Kreisblatt für den Kreis Bleckede“. Am 8. Juli 1885 machte Regierungspräsident von Borries in einer amtlichen Bekanntmachung in der Bleckeder Zeitung bekannt: „Unter Bezugnahme auf den Bericht vom 5. April d. J. betreffend das dort erscheinende amtliche Publikationsorgan und die Verfügung der vormaligen Königlichen Landdrostei hierselbst vom 24. April d. J. bestimme ich als Kreisblatt des Kreises Bleckede und als amtliches Organ für die Publikation der ortspolizeilichen Vorschrift die Bleckeder Zeitung gemäß § 144, Absatz 2 des Landesverwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883 als amtliches Publikationsorgan für die kreispolizeilichen Vorschriften.“ Landrat von Harling sorgte dafür, dass diese „Verfügung zur allgemeinen Kenntnis gebracht wurde“.

Carl und Robert Grosse übersiedelten am 1. April 1886 mit dem gesamten Betrieb nach Bleckede, anfangs in die Zollstraße am Deich (später Bäckerei Bostelmann). Danach bezogen sie das jetzige Verlagsgebäude in der Friedrich-Kücken-Straße 5. Carl-August Grosse starb am 9. Mai 1888 im 52. Lebensjahr und bereits am 15. Mai übernahm sein Sohn Robert selbst den Betrieb mit Redaktion. Damals wurde noch alles von Hand im Winkelhaken gesetzt, jeder Buchstabe in Politik, Lokales und Anzeigen. Und bis 1906 arbeitete man noch in der Druckerei ohne Strom, denn erst einen Tag vor Heiligabend 1905 erhielten die ersten 53 Bleckeder Haushalte Strom von der „Molkerei und Elektrizitätswerk Bleckede“. Es stand also ein Mann auf einer kleinen Fußbank vor der Druckmaschine und „kurbelte“ jeweils zwei Zeitungsseiten von Hand durch.

Auf Schusters Rappen wurden dann die fertigen, gefalzten und verpackten Zeitungen zu den Überlandlesern zwischen Neuhaus und Dahlenburg gebracht und von den dortigen Austrägern in die Haushalte. Mit einer Übernachtung kam das dann zeitlich so hin, dass der Bote nach zwei Tagen zu Fuß zur nächsten Ausgabe wieder zurück war. Nach dem ersten Weltkrieg wurde dann eine Bleisetzmaschine gekauft, auf der bis 1970 der Lokalteil der Zeitung erstellt werden konnte. Der politische Teil wurde in Matern geliefert, von denen mit flüssigem Blei in der Gießküche die einzelnen Platten abgegossen wurden. Am 1. Januar 1933 übernahm Franz Schötteldreyer sen., der als Meister beim Neuhäuser Tageblatt in Neuhaus gearbeitet hatte, den Betrieb von Robert Grosse, welcher kinderlos 1935 im Alter von 75 Jahren gestorben ist.

Neben anderen beliebten Beilagen der Bleckeder Zeitung erschien von 1933 bis 1939 die „Heimatscholle“, welche Geschichten und Gedichte aus der Heimat, aber auch wahre Begebenheiten enthielt. Kurz vor Kriegsbeginn erschien dann die Bleckeder Zeitung viermal wöchentlich: Montags, mittwochs, freitags und sonnabends. Ende 1941 wurde auf Anordnung der Reichspressekammer die Bleckeder Zeitung geschlossen, die Belegschaft eingezogen und Franz Schötteldreyer sen. in den Krieg geschickt. Erst Mitte 1945 kam er aus Kriegsgefangenschaft zurück und nahm recht mühsam seinen Druckereibetrieb wieder auf.

Zu ständigen Kunden wurde die „Vegetarier-Union Deutschlands“, aber wegen der ebenfalls Schriftsetzer gelernt hatte, musste zurück in den väterlichen Betrieb und dort weitermachen, wo der Vater Winkelhaken und Füllfederhalter aus der Hand gelegt hatte. Um die BZ attraktiver zu gestalten, entschloss sich der neue Inhaber, Bilder von aktuellen Begebenheiten zu bringen, die Fotos im Zeitungsmantel – Politik, Erdball, Unterhaltung, Welt der Frau, Sport – vom Materndienst Beig, Pinneberg, reichten nicht mehr aus. Also fuhr Franz Schötteldreyer nach Pinneberg, ließ dort den jeweiligen Film entwickeln und Klischees gravieren – man kann sich vorstellen, dass diese Fahrerei immer länger als einen halben Tag dauerte.

1965 kaufte er dann eine elektronische Graviermaschine, die Schwarz- und Weißwerte von Fotos auf einem Zylinder abtastete und mit einem Stichel auf die rotierende Folie eines zweiten Zylinders übertrug. Es konnten so negative wie positive Klischees hergestellt werden. 1970 wurde dann für fast 100.000 DM eine Setzmaschine angeschafft, die Bleistangen schmelzen, vollautomatisch setzen und die Zeilen wieder ablegen konnte. Also alles in einem Arbeitsgang. Das war schon eine große Arbeitserleichterung, aber es wurden zwei Perforatoren notwendig, auf denen alle Berichte auf Lochband getippt werden mussten, die dann in die neue Setzmaschine eingelegt wurden und Texte sowie Kommandos übermittelten. Nun waren also nur noch Überschriften und Schlagzeilen von Hand im Winkelhaken zu setzen.

1970 war auch das Ende der guten alten Schnellpresse gekommen, sie wurde von zwei Offset-Druckmaschinen ersetzt, die nicht mehr vom Bleisatz, sondern von rotierenden Offset-Platten druckten, auf denen je zwei Zeitungsseiten mit hohen Lichtwerten eingebrannt werden mussten. Als die Druckerei Beig in Pinneberg ihren Materndienst einstellte – die Bleckeder Zeitung war Mitglied der G.m.b.H. gewesen – stellte sich die Frage, wie es in Zukunft weitergehen sollte. Über den Zeitungsverlegerverband konnten dann Kontakte zur Celleschen Zeitung, zu Verleger Georg Pfingsten, hergestellt werden, der sofort der Bleckeder Zeitung Hilfe zusagte. Fortan kamen Seitenabzüge dreimal wöchentlich, sie wurden nachts um 2 Uhr in einer Rolle per Zug nach Lüneburg transportiert, dann von einem Busfahrer der OHE abgeholt und erschienen, nicht immer, in Bleckede. Diese Seitenabzüge fanden dann mit den lokalen Seiten im Offsetverfahren für die Bleckeder Zeitung Verwendung.

Zu dieser Umstellung gehörte auch, dass Lokales auf die erste Seite kam und auf die Seite „Politik“ ganz verzichtet wurde. 1980 ist zudem ein Durchlaufgerät mit allen dazugehörenden Apparaten zum Aufrastern und Belichten angeschafft worden. 1987 war die einst fast unerschwingliche Setzmaschine überflüssig geworden. Die Bleckeder Zeitung stellte auf Fotosatz und Computer um.

Im Oktober 1989 bestellte Franz Schötteldreyer eine neue Heidelberger Offset-Druckmaschine, die Ende Januar 1990 geliefert wurde; das war zeitlich ganz hervorragend, weil die Bleckeder Zeitung nach der Wende seit Weihnachten 1989 wieder im Amt Neuhaus verteilt und verkauft wurde.

Familie Schötteldreyer scheute sich nicht, dreimal wöchentlich die langen Umwege von Bleckede über die Grenzübergangsstelle Horst bis Wehningen zu bewältigen. Das war auch aus dem Grund zeitaufwändig, weil die Grenzer häufig Schwierigkeiten machten bei ihren gründlichen Pkw- und Passkontrollen. Bis dahin wurde jede Zeitung noch mit der Hand gefalzt, das war aus zeitlichen Gründen nun nicht mehr möglich, so dass 1990 wurde eine Falzmaschine in der Druckerei aufgestellt wurde.

Und ebenso aus zeitlichen Gründen wurde sich nach Räumlichkeiten in Neuhaus umgesehen, um dort übernachten zu können und eine „Anlaufstelle“ für Leser und erste Inserenten zu haben. Unter besonderer Mithilfe von Sumtes damaligem Bürgermeister Reinhold Schlemmer, Manfred Göldner und Dr. Eichhorn konnte die Bleckeder Zeitung Untermieter bei den staatlichen Tierärzten in der Bahnhofstraße 25 werden. Wir durften sogar nachmittags ihr Telefon benutzen.

Schon Jahre vor dem Abitur war der jüngste der Schötteldreyer-Söhne, Christian, in der BZ tätig und es war klar, dass er nach entsprechender vielseitiger Ausbildung und Praxis, die Zeitung einmal übernehmen werde. 1991 ist Christian dann in den Betrieb eingestiegen, im Juli des Jahres wurde eine neue Heidelberger Druckmaschine für die Drucksachen-Herstellung in Neuhaus angeschafft und es wurde – nachdem die Tierärzte aus den Praxisräumen in der Bahnhofstraße ausgezogen waren, das Gebäude von der Gemeinde Neuhaus gekauft, umgebaut und eine Zweigstelle der BZ mit Anzeigenannahme eingerichtet.

Ein Jahr später, 1992, ist die Fotosetzmaschine abgeschafft und auf PCs umgestellt worden. 1994 kamen Internet und Email dazu, ab 1995 arbeitete die Bleckeder Zeitung als erste im Landkreis mit Digitalkameras und seit 1996 wird auf der neugekauften Heidelberger Mehrfarbdruckmaschine in Bleckede die Zeitung gedruckt. Im Jahr 2001 erfolgte eine weitere Qualitätsverbesserung mit dem Kauf einer Belichtungsanlage für Fotos und Vierfarbdruck und seit 1998 ist die BZ als erste im Landkreis im Internet unter www.bleckederzeitung.de vertreten.

Mit Jahresbeginn 2001 erfolgte die Betriebsübergabe an Christian Schötteldreyer, der die gesamte Herstellung der Zeitung modernisiert hat, dass z.B. zeitsparend von der Zweigstelle in Neuhaus Text- und Bildübertragung in Sekunden möglich sind. Er hat auch die Drucksachenherstellung – in Bleckede großformatig und in Neuhaus die kleinformatigen Drucksachen – aktualisiert. Mittlerweile werden innerhalb von 24 Stunden Vierfarbdrucksachen gefertigt, die in der Zeitung erschienenen Fotos sind bei der BZ als Fotoabzug in vielen Größen oder auf T-Shirts, Bechern etc. zu bestellen.

Franz Schötteldreyer und seine Frau Ute stehen seit mehr als 50 bzw. fast 40 Jahre zu ihrer oft nicht leichten Arbeit und zu ihrem Einsatz für die Erhaltung der Heimatzeitung, dessen Tradition man sich verpflichtet fühlt. Sie hoffen aber auch, dass es mit den modernen Techniken mit der Bleckeder Zeitung auch künftig aufwärts geht.

Seit Oktober 2007 erscheinen alle Ausgaben der BZ vierfarbig, der Umfang der gedruckten und der Lokalseiten wurde ebenfalls stetig weiter erhöht.

Im April 2008 wurde die Druckvorstufe auf das moderne Computer-to-Plate-Verfahren umgestellt. Ein Agfa-Palladio-Plattenbelichter (Länge: 7 Meter) fertigt nun die Druckvorlagen in noch höherer Qualität. Die Rasterpunkte der ohnehin außerwöhnlich gut gedruckten Heimatzeitung werden nun noch besser abgebildet, was zu gestochen scharf gedruckten Fotos führt.

Seit Juni 2008 wird noch besseres Papier mit einer satinierten Oberfläche verwendet. Christian Schötteldreyer lacht:

„Wir dürften damit die einzige Zeitung sein, die sich so streichelzart anfühlt…“

Seit Januar 2013 hat die BZ ihr Verbreitungsgebiet auf die Samtgemeinde Dahlenburg ausgedehnt. Unsere Mitarbeiterin Käthe Frank wohnt in Nahrendorf und kennt sich somit bestens aus.

Außerdem berichten Ingunn Wittkopf, Hans Ulrich Feger, Kaethe Frank, Bernd Kluczynski, Manfred Schröder und viele weitere Mitarbeiter für die BZ.

Seit 2015 fährt die Bleckeder Zeitung im Elektroauto zu Terminen, nicht nur bei Vogelbeobachtungen ein großer Vorteil.

Im Mai 2016 investierte die BZ abermals in neueste Technologie: Mit der Anschaffung eines Thermalplatten-Belichters werden die Arbeitsabläufe vereinfacht und somit noch mehr Aktualität möglich. Die Druckplatten werden künftig nur noch durch Laser bebildert, dadurch entfallen sämtliche Chemikalien. Auch hier wird die BZ umweltfreundlich.

Robert Grosse, der Sohn des Firmengründers der Bleckeder Zeitung
Robert Grosse, der Sohn des Firmengründers
Franz Schötteldreyer sen. übernahm 1933 die BZ
Franz Schötteldreyer sen. übernahm 1933 die BZ
Franz Schötteldreyer war 1957-2001 Verleger der BZ.
Franz Schötteldreyer war 1957-2001 Verleger der BZ.
Am 1.1.2002 übernahm Christian Schötteldreyer das Ruder.
Am 1.1.2002 übernahm Christian Schötteldreyer das Ruder.
Ute Schötteldreyer, seit 1964 in der Redaktion
Ute Schötteldreyer, seit 1964 in der Redaktion, hat z.B. ca. 6.000 Mal den Polizeibericht verfasst.
Mitarbeiterin Bleckeder Zeitung Käthe Frank
Unsere Mitarbeiterin Käthe Frank aus Nahrendorf schreibt mit Schwerpunkt Schulen und Kultur für die BZ.